von Zungen reden

for group exhibition “in der Art”, Forum für Kunst, Heidelberg, October 2016

video, text, performance: Helen Schoene, song: In a manner of speaking, Depeche Mode

Die Arbeit Von Zungen reden geht aus einer Untersuchung über das Unaneigenbare hervor, die in der Performance How to face the strange body I am und in der Postkartenserie Terra Incognita (Galerie Grewenig, 2015) ihren Anfang hatte. Diesmal hinterfragt Helen Schoene die Erscheinungsformen, die die Sprache in ihrem künstlerischen Schaffen annimmt. Dabei erweist sich die Sprache selbst als unsicherer Boden, der sich auf Schritt und Tritt zu entziehen droht: Sie bestimmt zwar Richtung und Sinn, führt aber Ziele vor Augen, die stets unerreichbar bleiben; sie schafft Ordnung und Anordnung, lässt sich jedoch selbst schwer einordnen; sie verspricht wunderbare Schätze und Sätze und verspricht sich dabei selbst. Eine Verschiebung wird notwendig: „Wichtig ist nicht der Pfad der Worte, dem wir folgen, sondern das undeutliche Trippeln, das wir abseits vernehmen, wie von einem flüchtenden Tier, das plötzlich vom Geräusch der Schritte aufgeschreckt wird“ (Giorgio Agamben). Dieses „undeutliche Trippeln“  lässt sich nicht einfach einfangen, sondern macht vielmehr für das empfänglich, was man den sich entziehenden, medialen Charakter der Sprache nennen kann. Flüchtige Wellenbewegungen verlaufen zwischen den Worten, wie von einem stummen Fisch, in dessen Glitschigkeit die Unfassbarkeit der Sprache wahrnehmbar wird.

Writing: When Helen Schoene was a dancer she used to repeat herself all the time

PROGRAMME TEXT for Tanz*Hotel

A set of questions and half answers, of beginnings and appendices, of purposefully unmade decisions and open ends examine an unsteady love affair with dance as an art form. The audience is called to exercise their agility in recognising possible ways of reading the overlay of writing, voice and movement. Hereby the structure of a book forms a means of orientation and binds the overflowing material. A question arises at the end: Is Helen Schoene object or protagonist of the plot?

Eine Reihe von Fragen und halben Antworten, von Anfängen und Anhängen, von absichtlich ungetroffenen Entscheidungen und offenen Enden erörtern eine unstete Liebesbeziehung mit dem Tanz als Kunstform. Eine Aufforderung an das Publikum, Gelenkigkeit darin zu üben, in der Überlagerung von Schrift, Stimme und Bewegung mögliche Leserichtungen zu erkennen. Die Struktur eines Buches bildet hierbei ein Orientierungsmittel und bindet das überfließende Material. Zum Schluss stellt sich die Frage: Ist Helen Schoene Gegenstand oder Protagonistin der Handlung?

WHEN HELEN SCHOENE SPEAKS … draft text by Giorgio Palma

In a manner of speaking I just want to say
That I could never forget the way
You told me everything
By saying nothing

Was auf den ersten Blick als eine Art Reading- oder Lecture-Performance erscheint (wobei es hier vielmehr um eine paradoxe stumme Lesung, um ein stummes Vorlesen geht ), erweist sich bald eine vielschichtige Form der Kommunikation [des Sprechens] ohne Bedeutungsintention (Kommunikationsabsichten). Die Diskretion im Umgang mit verschiedenen Spracherscheinungen (Stimme, Schrift, Ton, Bewegung) veräußerlicht sich durch eine Strategie des minus dicere, bei der die Mitteilung wesentlich auf dem beruht, was ihr fehlt: In den Enthaltungen und Auslassungen, in den Zuckungen und Andeutungen, in den fehlenden Entscheidungen, die lieber dem Publikum überlassen werden [in dem, was nicht gezeigt wird] sowie in den Pausen zwischen unzähligen Wiederholungen wendet sich Helen Schoene immer wieder von dem ab, was ihrer Performance Richtung und Sinn verleiht, und zwar um das zum Besten zu geben, was man das Geheimnis einer [versäumten] Begegnung nennen könnte: Begegnung mit einem Publikum [als Tänzerin] on stage und zugleich mit einem sich entziehenden [verlorenen] Liebesobjekt*, das unmöglich zum Gegenstand einer Unterhaltung werden kann.

Wie Helen Schoene von dem gesprochen [besprochen?] wird, worüber sie [gern] sprechen würde[, ohne es zu können]. Wie Helen Schoene von dem gesprochen wird, worüber sie zu sprechen aufgegeben hat. Wie Helen Schoene von dem erzaehlt wurde, was/von dem sie selber gern erzaehlt haette.

*[Die als Kunstbuch/Künstlerbuch aufgebaute Performance liefert somit ein weiteres Fragment einer [unmöglichen] Sprache der Liebe.]

eine Mehrdeutigkeit, die zur Präzision dient…

Rascheln beim Blaettern

Unterschied zwischen Sagen und Zeigen

TRANSCRIPT OF AUDIO TRACK

 

How to face the strange body I am / Terra Incognita

At the invitation of the gallery Grewenig/Nissen and within the framework of the exhibition Terrain, the artist Helen Schoene presents concept maps of the performance, which will be shown at the private view. Herein the artist puts into question the body as pure threshold between inside and outside, between own and alien. Her attention is directed at that outermost side of the body, whose »ex-position« or appearance can be described as radical inappropriability: “I never see what I let the others see and this always happens, regardless of my intensions, whatever I do” (Jean-Luc Nancy). The body and its performative space of appearance thereby reveal themselves as terra incognita: an unexplored, foreign land, which although it cannot be conquered, can indeed be measured in the eyes of others – the audience. 


Auf Einladung der Galerie Grewenig/Nissen zeigt die Künstlerin Helen Schoene im Rahmen der Ausstellung Terrain die konzeptionellen Kartografien der Performance, die am Eröffnungsabend stattfinden wird. Die Künstlerin hinterfragt hier den Begriff des Körpers als reine Schwelle zwischen Innen und Außen, Eigenem und Fremdem. Dabei gilt ihr Augenmerk jener äußersten Seite des Körpers, dessen »Ex-position« oder Erscheinung als Erfahrung einer radikalen Unaneigenbarkeit beschrieben werden kann: „Ich sehe niemals das, was ich die Anderen sehen lasse und dies zeigt sich immer ohne mein Wissen, egal was ich tue“ (Jean-Luc Nancy). Der Körper und dessen performativer Erscheinungsraum erschließen sich somit als terra incognita: Ein unerforschtes, fremdes Land, das sich zwar nicht erobern, wohl aber in dem Blick der Anderen – der Zuschauer – vermessen lässt.

WHSWADSUTRHATT 2014

WHEN HELEN SCHOENE WAS A DANCER

SHE USED TO REPEAT HERSELF ALL THE TIME

new revised 2014 version

A set of questions and half answers, of beginnings and appendices, of purposefully unmade decisions and open ends examine an unsteady love affair with dance as an art form. The audience is called to exercise their agility in recognising possible ways of reading the overlay of writing, voice and movement. Hereby the structure of a book forms a means of orientation and binds the overflowing material. A question arises at the end: Is Helen Schoene object or protagonist of the plot?

 21st-23rd November 2014 – 7.30 pm

AAR Term 10, Tanz*Hotel, Vienna

 

 

foto_ernst_grünwald

Foto Ania Korotarz

Artist at Resort at Tanz*Hotel

 ARTIST AT RESORT – Term 8 / 2013

Presentations

When Helen Schoene was a dancer she used to repeat herself all the time
by Helen Schoene

The New New by Arttu Palmio

‘Artist at Resort’ is a successful residency/ coaching/ mentoring-project at Tanz*Hotel. Artists are supported in terms of dramaturgy, choreography and organisation by Bert Gstettner.

We would like to invite you to see the outcome of our work and join us for performances on
15th, 16th and 17th November 2013 at 7.30 p.m.
Tanz*Hotel | Resort 1020, Zirkusgasse 35, 1020 Vienna
Tickets: € 10,- / 7,- (limited seating, please make a reservation)
Booking: office@tanzhotel.at, 01 6026945